Die Geschichte des schönen Berggasthof St. Gerogenberg

Ich, euer schöner Berggasthof St.Georgenberg habe eine Geschichte und möchte euch etwas davon erzählen.

ja, ich habe so manches Geschichtlein erlebt und könnte wohl so einiges berichten, was mir so in die Tür gekommen ist, oder sich vor meiner Tür abgespielt hat.

Wenn ich mir es so recht überlege, dann erzähle ich es euch.

Schließlich sollt ihr hier nicht nur im Magen satt werden,

Aber alles nach und nach.

An meinem Fusse liegt das wunderschöne und beschauliche Städtchen Bad Rodach. Und das nun schon seit ca. 1120 Jahren.

Den Talblick konnte man damals vor mir aus noch nicht genießen. Dazu mussten ca. im 12. Jahrhundert Lichtungen in meinen Forst geschlagen, Weide- und Feldflächen geschaffen werden. Ich kann mich nicht mehr so richtig erinnern. Ich bin ja nun auch schon längst im Rentenalter.

Da hat wohl damals auch etwas einem Kaiser Arnulf so um das Jahr 899 gehört. Steht jedenfalls in einer Urkunde, die er damals für seinen Gaugrafen Poppo 1. und für dessen Erben ausgestellt hat.

In seinen Erben könnten die Marktgrafen von Schweinfurt gewesen sein, denen damals auch das Herrschaftsgut Rothaha gehörte und zu dem mein Hausberg zählte.

Später hat mich damals eine Judith von Schweinfurt an ihre Enkelinnen Agnes und Adelheid vererbt.

Und mich hat wiedermal keiner gefragt. Aber warum auch?

Sie waren ja schließlich Töchter vom Grafen Heinrich 1. von Limburg (1070-1119).

Die beiden Damen wurden nach Wittelsbach und Limburg verheiratet.

So ums Jahr 1110 verschenkten Sie ihr Erbgut von 60 Hufen, das waren damals 60 abgabepflichtige Höfe, an die Kirche in Bamberg, obwohl mein Gebiet eigentlich zur Diozese Würzburg gehörte.

Die Fläche war rund 450 ha auf Rothaha sowie umliegende Dörfer verteilt.

Der damalige Bischoff von Bamberg missionierte sehr viel und gründete sehr gerne Klöster.

Einige größere und ein paar kleinere Klöster. Und solch eine kleinere hat er damals auf meinem Gelände gegründet, auf dem ich jetzt stehe. Das war so um das Jahr 1120/22.

Dazu gehörte natürlich eine kleine Kirche.

Und der Boden, auf dem ich stehe wurde getauft auf den Namen St.Georgenberg.

Der Name Georg stammt vom damaligen Hauptpatron von Bamberg. Er war einer von 14 Nothelfern von Vierzehnheiligen und spendete viel Beistand.

St. Georg sieht man auch hoch zu Roß, wie er durch Tötung eines Drachens eine Jungfrau vor deren Opferung rettete.

Und wie es Legenden so an sich haben, soll sich das hier in meinem Umland abgespielt haben.

Wie dem auch sei, zogen auf meinem Boden mit Kirche auch Mönche ein. Es kehrte Leben auf den Berg.

Es waren wohl 3 bis 4 Klosterbrüder des Benediktinerordens.

Ihre Aufgaben waren die Verbreitung des Glaubens und die Seelsorge.

Jedoch entwickelte sich mein Klösterchen nicht so wie es sollte und wurde dem großen Kloster Veßra nahe Themar übertragen. Aber eigentlich weiß man das so nicht ganz genau. Jedenfalls war es wohl nicht wirtschaftlich und Wasser musste man auch hochtragen.

Aber wie auch immer. Hier auf meinem Gelände stand eine kleine Kirche und Gebäude,

die für die Mönche als Wohnungen dienten. Das Gebäude war sogar unterkellert.

In den nächsten paar hundert Jahren kamen Neben- (Wirtschafts) Gebäude und Stallungen hinzu und die Zahl der Mönche wuchs so um die 10 bis 15.

Der Chefmönch war ein Propst und wurde dann auch zum Abt ernannt.

Bis zum Jahre 1540 gab es hier bis zu 10 Propste. Darunter findet sich auch ein echter Rodacher Mönch „Berthold Schmuck“ um 1437.

Zu meinem Kloster gehörte so manches Dörfchen und Liegenschaften. Es blühte das Leben mit allen Gewerken in voller Pracht.

Der klösterlichen Grundherrschaft gehört sogar ein Jagdrecht.

Weil die Mönche meines Berges nicht alles selbst bewirtschaften konnten, verpachteten sie damals Vieles.

Der Pachtzins waren damals Hühner, Schweine, Stallhasen, Eier, Butter, Käse, Brot oder etwas Geld. Je nachdem was man damals vereinbarte. Mal mehr von dem, mal weniger vom anderen oder umgekehrt.

Zu dieser Zeit pilgerten viele Gläubige auf meinen Berg.

Was für brave Leut es damals waren.

Ganz besonders am Sonntag und dann zu meiner Bergkirchweih, Pfingsten oder zu Ostern.

Wenn wir heute von der Bergkirchweih reden, dann hat diese seit um die 1451 Tradition.

Und wer dachte, dass hier 1411 der erste verbriefte Jahrmarkt sattgefunden hat?

Um die 1530 wurden durch Luther einschneidende Reformationen im Coburger Umland eingeleitet.

Aus diesen Querelen zwischen evangelisch und katholisch entstand ein Bauernkrieg, den wir hier oben glimpflich überstanden haben.

Weil sich der Propst nicht einem Glauben fügen wollte, bekam er sogar Abmahnungen aus dem damaligen Kurfürstentum.

Und wer damals nicht den rechten Glauben hatte, wurde kurzerhand in Rente geschickt.

Na, das müsste mal jemand mir sagen!

Den Krieg einigermaßen heil überstanden, kam ein machthungriger Fürst und verleibte sich den St.Georgenberg ein. Um sich zu rechtfertigen warum er mein Klösterchen schändlich ausgeplündert hat, behauptete er tatsächlich, dass der Propst um seinen Schutz gebeten hatte und das wäre sein Lohn.

Daraus ergab sich ein Jahrelanger Streit.

Und weil der Propst ein sturer Hund war, nahm man ihm das Klösterchen ab und es fiel an den Landesherren.

Der Propst musste sogar eine Inventurliste machen.

Danach wurde mein Berg mit Kloster vom Kurfürsten an einen Hauptmann, seines Zeichens ein Amtmann Matthes von Wallenrod geschenkt, der es wiederum an das Städtchen Rodach für 4.000 Gulden verkaufte. Das war am 31. Mai 1542.

Meine Rodacher trugen nun 1550 das Kloster ab.

Die Steine brauchte man für die Stadtmauer.

Nun verfiel ich in einen ca. 350 Jahre andauernden Dornröschenschlaf.

Doch dann, 1890 baute ein gemeinnütziger Verein einen Schutzturm aus Holz wo ich heute stehe, oder in meiner Nähe, der aber wegen der vielen Unfälle 1896 wieder abgebaut wurde.

Das gefiel dem Verein aber nicht und man baute 1914 mit ein paar restlichen übriggebliebenen Steinen des abgetragenen Klosters, mich als Schutzhaus in meiner Urform. Aufgrund des Krieges wurde ich erst 1920 fertiggestellt.

Ich sah damals noch ganz anders aus. So in etwa wie ein alter Mensch sich seine eigenen Fotos als Kind ansieht und sich nach allen Entwicklungen heute ansieht. Manche schauen gar nicht mehr in den Spiegel, um nicht zu erschrecken,

Er ist zwar noch derselbe Mensch, aber nicht mehr der gleiche.

Nun ja, jedenfalls entschloss man sich mich 1968 zu vergrößern und zu modernisieren. Das gelang auch sehr gut.

Später erst, erbaute man den Turm in seiner heutigen Form neu auf.

Da ich ja ein Schutzhaus bin und mich irgendwie auch heute noch so fühle, fühle ich mich mit meinem Turm und meiner neuen Berg-Mama Claudia sofort wohlig behütet, so bewacht wie ich jetzt bin. Und ehrlich gesagt luge ich auch immer wieder mal rüber zum Turm. Und auch zu meiner neuen Wirtin.

Und übrigens, hinten auf der Wiese beim Spielplatz, liegen noch ein paar Steine dieser Klosterkirche. Aber nehmt bitte keinen mit, gell?

Wenn ihr es bei eurem jetzigen Besuch nicht geschafft habt, mich fertig zu lesen, dann kommt doch wieder und lest weiter.